Erste Spuren | | | |
Die Glieder der Syrisch-Antiochenischen Kirche sind die direkten Nachfahren der Ureinwohner Syriens, des Libanons, Palästinas, Kleinasiens, sowie Ober- und Untermesopotamiens."
Mor Ignatius Zakka Iwas I.,
Patriarch von Antiochien und Oberhaupt der universalen Syrisch-Orthodoxen Kirche[1]
Erste Spuren
Die Geschichte des syrischen Volkes beginnt lange vor Christi Geburt im Vorderen Orient.
Das Land Syrien, dass sich damals über das Gebiet zwischen dem Euphrat im Osten, dem Taurusgebirge im Norden, der Mittelmeerküste im Westen und der Halbinsel Sinai im Süden erstreckte, war seit Alters her Schauplatz von Wanderungen und Kriegen zahlreicher Völker.

Historische Funde belegen schon im 4. Jahrtausend v. Chr. die Besiedelung einzelner Gebiete durch die Kanaanäer (auch Phönizier, biblisch Kanaaniter oder Sidonier, heutige Nachfahren leben im Libanon) und Hunniten. Im 2. Jahrtausend a. c.[2] eroberten die Assyrer das Land, um es für rund eintausend Jahre in ihrer Herrschaft zu behalten. In den Gebieten, die von den Assyrern bedroht und zeitweise auch beherrscht wurden, lebten unter anderem die aramäischen Stämme[3], die ursprünglich aus dem Nordrand der arabischen Wüste kommend in Mesopotamien und Syrien sesshaft geworden waren. Ihre Sprache war ein nordwest-semitischer Dialekt, der bald zu einer der drei ältestbezeugten und heute noch gesprochenen Sprachen der Welt gehören sollte (neben Griechisch und Chinesisch). Trotz der politischen Macht der Assyrer waren es die Aramäer, die kulturell den wichtigsten Einfluss auf das Land ausübten: man sprach aramäisch.
612 v. Chr. gelang es den Medern und Chaldäern die Vorherrschaft über das Reich der Assyrer, dessen Kerngebiet sich im heutigen Irak befand, zu erringen. Bald begründeten die Chaldäer auf dem Fundament des untergegangenen assyrischen Reiches eine neue Epoche, die heute noch bekannte neubabylonische Dynastie mit den Königen Nabupolassar, Nebukadnezar und Nabonid entstand. Zweifelhaften Ruhm erlangten die Chaldäer, die sich bereits seit dem 10. Jhd a. c. am persischen Golf nachweisen lassen, jedoch besonders durch die Gefangennahme der jüdischen Oberschicht Jerusalems (Beginn 586 v. Chr.), von der die Bibel als die babylonische Gefangenschaft" berichtet. Keine hundert Jahre später (538 v. Chr.) waren es wieder die Meder, die durch ihre Mithilfe für einen Machtwechsel sorgten. Unter dem Kommando des Perserkönigs Kyros halfen sie, die Chaldäer zu unterwerfen, und deren Herrschaft über Babylon und den Vorderen Orient zu beenden.
[1] Aus dem Referat an Universität Heidelberg, 1995, auch in Cibedo, 2/95, S. 44
[2] ante Christum: auch ante Christum Natum; lat. für vor Christus Geburt"
[3] Der Name Aramäer entstammt höchstwahrscheinlich einem aramäischen Stamm, der sich aram nahareim" nannte, was in etwa die Hohen der zwei Ströme" (Euphrat und Tigris) bedeutete.
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